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Juno 2009

Regionalmagazin “ kULTich “ - Kultur & Veranstaltungen zwischen Prignitz und Havelland ...

ein Beitrag von Katrin Ribbe.


Søren Wendt,

Dänischlehrer, Harfespieler. Mehr Informationen habe ich nicht als ich mich mit dem jungen Mann aus Neuruppin treffe. Eigentlich ist er noch gar nicht so lang in der Stadt, stellt er gleich richtig, aber er fühle sich hier sehr wohl. Aufgewachsen im kleinen Illmenau verschlug es ihn in verschiedene Regionen Deutschlands. Meine Mutter ist griechischer Abstammung erzählt er mir und ich falle ihm sofort ins Wort Wie, du bist gar kein Däne? Fast bin ich enttäuscht. Genau so hätte ich mir eben einen Dänen vorgestellt. Der Name (ich kann ihn nicht so schön aussprechen wie Soren selbst), sein blau- gestreiftes Hemd, sein mittelblondes Haar. Er lacht herzlich. Kurioserweise hat mich immer Skandinavien fasziniert. Und ich liebte die Musik. Schon als kleiner Junge habe ich viel gesungen. Wenn andere Jungen zum Fußball gingen habe ich beispielsweise auf meinem Bett gelegen und habe einfach gesungen. Ein kleiner Träumer. Die Musik zog mich. Ich habe sie wieder für mich entdeckt, nachdem ich sie für eine ganze Zeit ausgeblendet hatte. Ich arbeitete damals bei der Bahn… Und irgendwann habe ich dann ein Studium angefangen an den Uni´s in Berlin. Musikethnologie und Skandinavistik. Wieder falle ich ihm ins Wort Wie, was, bei der Bahn? Er schmunzelt Ja, ich habe eine Ausbildung mit Abitur zum Elektrosignal- Mechaniker. Dann arbeitete ich in Bayern. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie Soren mit den Händen, mit denen er heute seine Harfe zupft, so richtig zupacken musste. Überhaupt wirkt Soren durch Mimik, Gestik und seine gewählte Ausdrucksweise eben wie ein echter Künstler. Mir wird wiederholt bewusst, wie viele Menschen ich inzwischen kennengelernt habe, die ihr Herzblut in ein Geschäft stecken, das mit ihrer Ausbildung so gar nichts zu tun hat. Jedenfalls erlernte ich während meines Studiums das Spielen der Harfe. Um genau zu sein: Ich spiele eine böhmische Wanderharfe oder auch Hakenharfe genannt. Mit diesem Instrument sind im 19. Jhdt. die Harfenmädchen durchs Land gezogen und haben aufgespielt erklärt mir Soren und fügt mit gedämpfter Stimme hinzu ... und die Mädchen wurden nicht nur fürs Spielen bezahlt ... Seine Harfe hat der 36jährige bei einem Workshop eines Instrumentenbauers in Markt Wald bei Augsburg selbst gebaut. Seit seines Studiums nun verwöhnt er als freischaffender Musiker die Ohren seiner Zuhörer. Und das nicht nur bei Konzerten, sondern (buchbar) auf Hochzeiten (ganz romantisch im Hintergrund…) oder aber zur Unterhaltung der Gäste…zur Überraschung des Jubilars usw. Dann begeistert Soren zusätzlich mit seinem Gesang. Zu seinem Repertoire gehört Minnegesang genauso wie Stücke von Gerhard Schöne, Chansons, skandinavische Volks- und Tanzweisen, englische und irische Folksongs und Rezitationen vornehmlich regionaler Dichter wie Fontane. Das ist, wie ich finde auch eine Klasse-Idee für ein Geburtstagsgeschenk. Wie oft werde ich gefragt, ob ich jemanden kenne, der etwas Abwechslung in die Feiergesellschaft bringt, aber bisher kannte ich nur die üblichen „Späßlemacher“ oder DJ´s.

Zweites Standbein von Soren ist das Unterrichten der dänischen Sprache. Aus diesem Grund kam er vor gut einem Jahr nach Neuruppin. Hier arbeitet er freiberuflich beim Bildungszentrum des Handels als Referent und Jobagent. In seine Kurse kommen Leute, die auf eine neue Wohn- und Arbeitsstelle in Dänemark vorbereitet und vermittelt werden. Auch privat können Sie natürlich die dänische Sprache bei ihm erlernen.

Geplant ist übrigens auch ein Ensemble, von dem Soren mir nur den Namen verrät: Wandelbaum. Da müssen wir uns also noch in Geduld üben. Ich könnte noch Stunden mit Soren Wendt über Gott und die Welt plauschen, aber auf mich wartet die Familie und so muss ich mich leider verabschieden. Ein interessanter Mensch mit noch interessanteren Geschichten.